Sonntag, 2. Mai 2010

Die Hippies






Sonntagabend, halb 10 sitze ich in irgendeinem Backpackers – aber nicht irgendwo, sondern in Port Elizabeth – in Südafrika. Eine 19-stündige Busfahrt mit nächtlichem Ausgang zu Grenzbeamten brachte Verena & mich erst mal nach Kapstadt zum fröhlichen WM-Stadion gucken, Waterfront und Tafelberg bestaunen und zu ein paar namibischen Bieren in der „Party-Meile“ Longstreet!

Am nächsten morgen gings dann mit Hippies und einem Hippie-Bus weiter. Südafrika ist im Vergleich zu Namibia ma ganz klar – grüner, aber weniger Afrikanisch und: weniger schön!

Zwar hat Cape Town das Metropolen-Flair – doch irgendwie fehlt der namibische Dorf-Charme und rundherum ist die Landschaft mehr Oberpfalz als Savanne…

Die Klischees wie Wein und Strauße waren schnell bestätigt, aber das wars dann auch… Die Garden Route hat nette Ecken, verspricht aber auch mehr als sie halten kann…

Meine Begleiter – allesamt super nett und mit Flower-Power Fetisch... Warum müssen alle klassischen Freiwilligen so aussehen, habe ich erst gedacht, aber meine Vorurteile von Möchtegern Weltverbesserern waren schnell at acta gelegt, stattdessen wurden nette Bekanntschaften geknüpft für die ich im Nachhinein sehr dankbar bin – und übrigens: So wie ich sie für Hippies gehalten habe, müssen die gedacht haben ich sei ein absoluter Spießer…


MEIN WM-COUNTDOWN: NOCH 53 TAGE!

Städte-Report: Kapstadt… ist bereit für die WM und fragt auf Plakaten, ob wir es auch sind. Fakt ist: Stadion sieht gut aus, Baustellen gibt es immer noch wo man hinschaut! Fußgängerbrücken werden gebaut, auch Bürgersteine bekommen neue Pflastersteine und die Bahnhofshalle ist noch verhüllt… Aber wo man hinkommt ist die WM das Topthema. Insofern: Jebbo, Kapstadt ist ready und die meisten Bewohner sinds auch!

Nächste Woche: Port Elizabeth


Wir ernten was wir sähen

Im April ist auf Krumhuk traditionell Erntedankfest angesagt. Mit der ganzen Farm wird dann für den Regen gedankt – mit Liedern, Spielen, Grillen und Tanz! Sehr nette Geschichte. Wenn ich das Erntedankfest in Deutschland immer ein bisschen belächelt habe, so muss ich hier in diesem trockenen Land dem Sinn dieses Festes geradezu tausendfach bestätigen. Man ist wirklich wahnsinnig dankbar für alles was Petrus hier runterfallen lässt.

Der Regen ist im Übrigen hier DAS Topthema – und zwar überall. Sieht man jemanden aus einer anderen Region, so lautet die erste Frage garantiert immer: Und? Wie viel Regen hattet ihr?

Beim Erntedankfest wurde mir aber auch wieder die Einzigartigkeit von Krumhuk bewusst. So ein Gemeinschaftsfest, gibt es nur hier – und das Verhältnis untereinander ist einfach besonders!


DIE TATSACHE DER WOCHE: Freitag geht es für 9 Tage nach Südafrika! Yes-Ja Erlebnis ist vorprogrammiert!


Habe am Samstag auch wieder eine kleine Farmrundfahrt gemacht und wurde aufs Neue erschlagen von der Schönheit des Landes.

Wer noch nicht hier war – sollte das nicht verpassen!

Donnerstag, 8. April 2010

Ein Tokoloshi im Osterei

Hoppel, Hoppel, Hoppel,
Ostern! Es gibt übrigens auch Hasen in Namibia – dies als Informationen für die, die es interessiert. Stellt man sich jetzt ja nicht unbedingt als erstes vor… Ansonsten feiert man auf Krumhuk Ostern noch intensiver als in Deutschland. Beginn: Morgens um halb sechs - Spaziergang. Weil wir was entfernt vom Kern sind, haben wir uns das geschenkt. Man nennt das meditatives Sonnenaufgang anschauen – und es muss auch was davon haben.
Ostereier suchen war auch so richtig, weil meine Großmutter noch Lindt-Leckereien hier gelassen hat, mein Körbchen war auf dem Autoreifen versteckt – raffiniert…
Nun ja. Etwas anderes geistert in diesen Tagen und eigentlich auch sonst immer im Land herum. Die so genannten Tokoloshis. Kleine Geister, die verschiedene Gestalten annehmen können und sich meist durch verstorbene Menschen herumtreiben. So Tokoloshis sind meist mit negativer Energie behaftet, aber laut unserem Himba, gibt es auch positive Tokoloshis – und so einer ist seiner, den er momentan in die Gestalt eines toten Affenschädels gesteckt hat und der den Platz am ATC mit guter Energie füllt.
Der Glaube ist an Tokoloshis ist hier unter den Afrikanern beinahe 100% geteilt. Nachts alleine in einem Haus wohnen ist für die meisten unvorstellbar und alleine durch die Gegend spazieren, wenn nur noch Mond und Sterne für bikkie Licht sorgen – is auch nicht. Könnten ja Angriffe kommen. Und es ist so, dass die, die dran glauben die Tokoloshis auch tatsächlich zu Gesicht bekommen und sich dann fürchten.
Es sind noch keine Meldungen bekannt, dass sich ein Tokoloshi in eines der gefundenen Ostereier reingeschleust hat und nun innerlich sein Unwesen treibt – aber theoretisch wärs möglich.
Abrakadabra – für mich bleiben die Dinger ein Märchen, nur unterschätzen sollte man sie wahrlich nicht…

Harndrang

Manchmal ist man doch immer wieder überrascht und kann nur relativ ungläubig drein blicken – hier in Afrika.
Samstagnachmittag, 16h: Globalisiertes Fußballspielen überall. In der Bundesliga, in Ligen der ganzen Welt und auch vor meiner Haustür beim Kleinturnier in Aris, an dem auch das ATC teilgenommen hat.
Eigentlich eine sensationelle Geschichte: Etwa 6 Teams (teils tatsächlich 200km angereist), die den Besten untereinander ausmachen. Der Grund ist ein bisschen ernüchternder: Es geht ums liebe Geld. 600 Namibian Dollar (60€) muss jedes Team zahlen um dabei zu sein – der ganze Topf geht später an das Gewinnerteam, selbst der Zweitplatzierte geht leer aus. Das hat zur Folge, dass fünf Mannschaften immer wieder betröppelt nach Hause gehen, leider allerdings keinerlei Lehren daraus ziehen. Das nächste Mal werden sie wieder investieren. „Stell Dir mal vor wenn wir mal gewinnen“ sagt mir Kandundu, aus dem ATC. Das sie bisher immer verloren haben, blendet er aus. Und ich weiß nicht, ob er weiß wie oft sie gewinnen müssten um die alten Verluste wieder rein zu bekommen…
Erstaunlich auch, wie es das Team immer wieder aufs Neue schafft, dass Antrittsgeld zu organisieren. „We zula“ sagen sie mittlerweile scherzhaft, was so viel heißt wie: „Wir kriminalisieren uns das…“. Im Prinzip will ich gar nicht genau wissen, woher es kommt. Jedenfalls sind sie immer beleidigt, wenn man selbst ablehnt sie finanziell zu unterstützen. Aber die Erfolgsaussichten sind halt mau und als Dietmar Hopp kam ich auch nicht auf die Welt…
Kurz vor Anpfiff bin ich dann endgültig baff. Beide Mannschaften stehen auf dem Platz, ein Mann, allem Anschein nach der Schiedsrichter, kommt langsamen Schrittes in Richtung Anstoßkreis.
Das Team aus der Omaheke Region (Hereroland), scheint bis auf einen Mitspieler bereit zu sein. Diesem drückt die Blase. Und anstatt auf der Seite einen der zahlreich vorhandenen Hakibüsche zu besuchen, lässt er plötzlich vor den Augen aller Besucher und Teams, seine Sporthose herunter und strullert, pinkelt, uriniert mitten auf den Platz. Die umliegenden Menschen scheinen das zu kennen, jedenfalls verzieht niemand eine Miene und mein ungläubiges Nachfragen, was denn der junge Mann da macht – wird mit einem schmunzeln ignoriert. An einen Zweikampf an genau dieser Stelle möchte ich besser nicht denken.
In dieser Woche haben wir Besuch von meiner Großmutter, meiner Tante, sowie von ihrem Mann. Letzterer, der Heinz – ist mit langjähriger Erfahrung als Chorleiter angereist und wollte mit mitgebrachten Liedern unseren Shukusha-Chor perfektionieren. Die unterhaltsamste Chorprobe, die es je gab, haben wir dann am Mittwoch abgehalten. Fantastisch wie Afrikaner singen können, aus dem Bauch, nicht vom Papier und so waren die neuen Lieder rhythmisch und Lautstärketechnisch eine Herausforderung, die zu meinem Glück chaotisch und irrsinnig unterhaltsam gewesen ist. Am Ende bleibt aber auch die Erkenntnis, dass sie schnell lernen können und – Zitat Heinz: „einige übermäßig talentierte Stimmen drunter sind“.

Montag, 22. März 2010

Der Silberpfeil, der Älter ist als 20!

Erstmals nicht am Sonntag – Grund dafür war Namibias 20. Geburtstag und tierische Kopfschmerzen…
Das Highlight der Woche ist zwar schon 41 Jahre alt, aber überhaupt nicht in die Jahre gekommen. Die Rede ist von der neuen Familienkutsche. Es handelt sich um eine Mercedes Benz S-Klasse 280 von 1969. Die männliche Kompetenz sei mit dem Schlagwort „6-Zylinder“ überzeugt und der Rest kann sich von den Bildern beeindrucken lassen.
Fahrgefühl ist ein Traum! Von nun an folge ich dem Stern mit dem Wehrmutstropfen, dass uns der Land Rover nun verlassen muss.
DAS FIESESTE TIER DER WOCHE: Leider ein Leopard (mit riesigen Tatzen), der gleich zwei ganz junge Kälber gerissen und Krumhuk in Angst und Schrecken versetzt hat… Das Ende des Liedes könnt ihr Euch vermutlich denken…

Das ATCK hatte dieses Wochenende + Montag frei – aus gutem Grund: 20 Jahre ist Namibia jetzt schon Unabhängig. Klar, dass das gefeiert wird und ich hab auch mitzelebriert. Gestern im Independence-Stadion wurde Fussball gespielt. Namibias Nationalmannschaft gegen Botswana. Die Brave Warriors in ihren roten Trikots von Beginn an die bessere Mannschaft in einem müden Kick ohne Tore. Da brauchts mal einen Berti Voigts oder besser noch: Lothar Matthäus. Naja, es half jedes anfeuern nichts.
Aber darum gings jetzt auch nicht. Es is einfach schön, dass Namibia jetzt schon 20 Jahre alt ist. Die Nationalhymne habe ich übrigens immer noch nicht drauf – das wird wohl noch was brauchen. Aber die Independence-Feier war schon mal ein guter Anlass zum üben.

Sonntag, 14. März 2010

Nice Matako

Es ist schon interessant was einem Namibia alles für mehr oder weniger nützliche Vokabeln bietet. Vorteil hier auf alle Fälle: Viele Sprachen sprechen können. Wichtige Anreden an das weibliche Geschlecht habe ich jetzt schon mal drauf. Mit „Hey Girl, nice matako!“ beispielsweise kann ich auf Otjiherero zu einem wohl geformten Hinterteil gratulieren. Komme ich in eine Konfrontation mit bösen Ganoven, reicht ein afrikaanses „Bleksem“ als Drohung, gleich meine berüchtigte Eisenfaust auszupacken.
Imponiert hat mir die Woche auch der mit Abstand abnormalste „Outaomburaa“ (Regenbogen), den ich je gesehen habe und durch den ich quasi auch noch durchgefahren bin. Wie eine Brücke lag er auf und über dem Land – und das gleich in zweifacher Ausführung. Ich gehe sogar schon soweit dies als Naturereignis zu bezeichnen und die Experten von Galileo-Mystery sollten darüber berichten!

MEIN WM-COUNTDOWN: Mein persönlicher WM-Countdown startet am 18.April mit meiner ersten Südafrika Reise. Mit dem Bus geht es dann nach Kapstadt und von dort aus nach einem etwa 5stündigen Aufenthalt weiter nach Port-Elizabeth. Zwei Austragungsorte an einem Tag und bei letzterem bleibe ich zum Weltwärts Zwischenseminar für 4 Tage.
Von dann ab gibt’s wöchentlich eine kleine Schtorie zur WM…

Zurück ins jetzt: Die zweite März-Woche war zugleich eine sehr musikalische. Da war einmal Gazzas 33. Geburtstag und dann noch zwei Konzerte aller erster Güte. Als stolzer Sohn sah ich meine Mama in Windhoek vor vollem Haus singen und in etwas kleinerem Rahmen hat der ATC-Chor mit dem eindringlichen Namen „The-Shukusha-Choir“ im ehemaligen Schweinestall von Krumhuk mit traditionellen Hymnen geglänzt. Das ATCK hat nicht nur gute Farmer, sondern auch sensationelle SängerInnen…
Da halt ich mich mit meiner Roland Kaiser Röhre lieber vornehm zurück und wenn Namibia in Europa wär, ständ ma klar fest wer nach Oslo dürfte!
Mit dieser Erkenntnis gehe ich nun durch eine Woche, die im Zeichen eines Sterns stehen wird. Mehr dazu nächsten Sonntag. Gleicher Ort, gleiche Stelle………..
Euer Martin…

Sonntag, 7. März 2010

Die Halbzeit-Analyse

Ab Dienstag bin ich 182 Tage in Namibia – die Hälfte ist also schon rum! Für mich Anlass ganz kurz auf das letzte halbe Jahr zurück zu blicken und eine Vorschau auf das, was noch kommt zu werfen:

Im Allgemeinen:
Die NamFeelingKurve steht dank der Tatsache, dass ich realisiere, dass die Hälfte im nu rum ist nur bei 6. Im Durchschnitt liegt sie bei 7, was schon eher meiner Stimmung entspricht. Namibia ist ein faszinierendes Land, die Menschen sind toll und nach zwei Jahren Abstinenz meiner Familie tut es gut im Kreise seiner liebsten zu sein. Das Leben ohne Schule macht viel mehr spaß – auch das eine Erkenntnis aus den ersten 6 Monaten Zivildienstleistender…

Das Yes-Ja Erlebnis:
Ein einziges Yes-Ja Erlebnis herauszupicken ist schwer – es gibt so viele Momente die für einen Bruchteil der Sekunde übermäßige Glückshormone freisetzen. Jedes Zebra führt zum Beispiel zu speziellen Schwingungen. Aber meine erste Fahrt mit dem Land Rover durch Windhoek auf der linken Seite oder ebenso banale Dinge wie Shukushan gehören im Nachhinein zu grandiosen Momenten.

Diese Tiere habe ich schon gesehen:
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Gepard, Giraffen, Nashörner, Oryx, Kudu, Springbock, Baumschlange, Puffotter, Hornviper, Eland, Wasserböcke, Schakal, Steinböckchen, Damara Dik-Dik, tausend crazy Vogelarten, Erdmännchen, Kap Borstenhörnchen, Gnus und natürlich Zebras.

Diese Tiere will ich noch sehen:

Was eine Überleitung zum Blick in die zweite Hälfte Namibia. Tiertechnisch wünsche ich mir in erster Linie Elefanten und Löwen… Ein Nilpferd und Krokodile hätten auch was…

Das kommt auf mich zu:
Nur noch drei Monate und in Südafrika beginnt die Fussball Weltmeisterschaft. Die wird mit Sicherheit eines meiner Highlights. Momentan plane ich Ende Juni, evtl. Anfang Juli mit meiner großen Schwester nach Kapstadt zu reisen. Eine weitere Möglichkeit innerhalb Südafrikas wäre dann auch noch Port Elizabeth. Bei Gruppensieg und Sieg im Achtelfinale könnte Deutschland am 3.Juli am Kap der guten Hoffnung sein Viertelfinale spielen. Die Tendenz, geht also dahin – an diesem Tag noch vor Ort zu sein. Am 29.06. findet an gleicher Stelle bereits das Achtelfinale Sieger Gruppe H (wahrscheinlich Spanien) gegen Zweiter Gruppe G (Brasilien, Elfenbeinküste oder Portugal) statt.
Zuvor - im Mai steht noch ein Urlaub an. Mal sehen mit wem, geht es entweder in den Süden (nähe Fish-River-Canyon) oder in den Nord-Westen (Kaokoveld und Opupa-Falls).
Am 15.Juli habe ich Geburtstag, einen Tag später kommt meine bessere Hälfte zu Besuch. Mit Martin wird es wohl Richtung Sossusvlei gehen, über den traumhaften Spreetshogte Pass. Weiter Reiseziele müssen noch ausgeguckt werden, eins steht fest: Wird Bombe!
Den Abschluss meines Aufenthalts bildet aller Voraussicht nach eine Reise Ende August, Anfang September in den Caprivizipfel ganz im Nord-Osten des Landes. Hier geht es dann auf die Spuren von Elefanten und Nilpferden. Soll ein ganz anderes Namibia sein: Feucht und Grün.
Am 7.September lande ich dann schon wieder in Deutschland.
Bevor das der Fall ist stehen mir aber noch 181 Tage bevor – und Gott sei Dank weiß man hier nie, was einen am Ende noch alles erwartet…
Enda newa - voerst,
Euer Martin